Wie viel Schuld trägt der Westen am islamistischen Terror?

Terror

Screenshot aus dem Video (weiter unten im Text eingebettet) von Vice News, zu sehen sind Knochen von massakrierter Jesiden aus einem Dorf, wie ein älterer Mann dem Interviewer mitteilt.

Heute, am 26. Juni 2015, lauten die ersten vier Nachrichtentitel von Tageschau.de:

Urlauber werden mit Maschinengewehrfeuer niedergemäht, eine Enthauptung á la IS (evtl. liegen hier private Motive vor und die Terror-Handschrift sollte falsche Spuren legen) und – wieder einmal – ein Sprengstoffanschlag auf eine schiitische Moschee  beim Freitagsgebet.

Diese Ereignisse schafften es auf die vordersten Plätze der größten Nachrichtensender, das andauernde und sich verschlimmernde Elend in den nahöstlichen und nordafrikanischen Krisengebieten ist nur noch Hintergrundrauschen. Aber immer mehr Flüchtlinge aus dieser Region kommen bei uns an und tauchen zunehmend in unseren friedlichen Städten und Dörfern auf. Das ist freilich nichts gegenüber den riesigen Flüchtlings-Camps im Libanon, Jordanien und der Türkei. Der Libanon, selbst krisengeschüttelt und in vielen Gebieten verarmt, hat 1,3 Millionen Syrer aufgenommen, siehe den sehr lesenwerten Artikel von BAB AL-TABBANEH, Al-Monitor.

Wer ist verantwortlich für diese sich ausweitende Tragödie? Die offizielle Antwort auf die Frage ist bekannt, es ist der islamische Terror, gegen den die USA und ihre Verbündeten seit 9-11 einen Krieg führen. Die guten Cowboys gegen die bösen bärtigen Islamisten.

Wer an diesem Erklärungsschema zweifelt und gar eine Komplizenschaft des Westens mit „speziellen Gruppen des islamischen Terrorismus“ in Erwägung zieht, bekommt rasch den Stempel „Verschwörungstheoretiker“ aufgedrückt. Dadurch wird der Gebrandmarkte begrifflich disqualifiziert, aus der Gemeinschaft der gesunden, normalen Volksgenossen ausgegrenzt und man muss sich nicht weiter mit seinen verstörenden Argumenten beschäftigen.

Zum Glück konnten die Patriot-Act-Bundesgesetze, nach 9-11, die amerikanische Verfassung zwar einschränken, jedoch nicht komplett aushebeln. Da auch Anti-Amerikanismus ein schnell gezückter Schmähbegriff ist, möchte ich betonen, dass ich die amerikanische Verfassung sehr schätze, mehr als z.B. die Verfassung der Russischen Föderation.

Im Geiste dieser US-Verfassung ist der „Freedom of Information Act (FOIA)„, ein Gesetz zur Informationsfreiheit, eine vorbildliche amerikanische Einrichtung. Dies bezügliche Anfragen werden seit 9-11 allerdings in geradezu inflationärer Weise mit der Floskel „aus Gründen der nationalen Sicherheit“ abgelehnt. So ist die gerichtlich erzwungene Veröffentlichung des Papiers 14-L-0552 des Pentagon-Geheimdienstes DIA, aus dem Jahr 2012, durch die Gruppe „Judical Watch“, eher die Ausnahme mittlerweile.

Das eingeklagte Papier kann hier herunter geladen werden:
http://www.judicialwatch.org/document-archive/pgs-287-293-291-jw-v-dod-and-state-14-812-2/

 

Zitat1

Klar benannt wird bei dieser skizzenhaften allgemeinen Lagebeschreibung die Unterstützung der Opposition in Syrien durch „den Westen“, die Golfstaaten und die Türkei. Es fehlt übrigens Israel in der Aufzählung, obwohl die Parteinahme dieses Landes im Konflikt jedem aufmerksamen Beobachter mehr als offensichtlich ist.

Die wichtigsten Kräfte der Bürgerkrieg führenden Opposition, aus militärischer Sicht,werden ebenfalls konkret aufgelistet, an letzter Stelle steht AQI, Al Quaeda Irak.

Im weiteren Verlauf des Papiers wird nur noch AQI behandelt.

Zitat2

Al Nusra wird hier, z.B, als al-Quaeda-Tochter benannt, die in Syrien „Operationen“ durchgeführt hat.

Interessant sind die folgenden Einschätzungen zur weiteren Entwicklung.

Zitat3

Man erwartet einen Stellvertreterkrieg mit Unterstützung des Assad-Regimes durch Russland, China und den Iran auf der einen Seite und dem Westen, den Golf-Staaten und der Türkei auf der anderen Seite. Man erwartet hoffnungsvoll weiterhin, eine Wiederholung des Libyen-Szenarios, mit der Einrichtung einer internationalen Schutzzone im Osten Syriens, die Kommandostrukturen der Anti-Assad-Kräfte einen sicheren Hafen bieten würde. Wie wir heute wissen, konnte das Libyen-Szenario nicht so schnell umgesetzt werden, wie hier im Papier vorhergesagt. Zumindest die Flugverbotszone konnte nicht umgesetzt werden, trotz aller Versuche mit Giftgasvorwürfen und Fassbomben-Anklagen, Stimmung dafür zu machen.

Es folgt eine Lageeinschätzung zum Irak.

Zitat4

Hier wird erstaunlich gut vorausgesagt, was später weitgehend so eintrat: die Ausrufung eines islamischen Staates auf dem Gebiet des Iraks und damit der Bedrohung seiner territorialen Integrität. Die Einnahme Mosuls 2014 durch den Islamischen Staat war also etwas, was die US-Militärs schon 2012 auf dem Radar hatten.

Die groben Striche dieses skizzenhaften Lageberichts verschleiern das Ausmaß und die Dramatik der Mitschuld des Westens an dieser Tragödie, aber sie bestätigen die Verdachtsmomente für eine Komplizenschaft des Westens mit den suni-faschistischen Terroristen.

In Mosul hatten die christlichen Einwohner die Wahl, zu fliehen, zum Islam zu konvertieren oder hingerichtet zu werden. Die allermeisten Christen verließen daraufhin Ende Juli 2014 die Stadt (WIKI).

Noch schlimmer traf es die Jesiden, deren Männer – so sie nicht fliehen konnten – massakriert wurden und deren Frauen und Mädchen zur sexuellen Ausbeutung versklavt wurden. Eine bewegende Videodokumentation eines britischen Filmteams, welches auch die kurdische Verwicklung in dieses blutige Chaos zeigt, liefert überzeugende Indizien für den Wahrheitsgehalt dieser schrecklichen Vorwürfe.

Zum Heulen sind aber auch die Beschädigungen an historischen Zeugnissen von unschätzbarer Bedeutung, durch den Bildersturm religiöser Fanatiker und Plünderungen im Schutze der Terrorherrschaft sunni-faschistischer Kräfte aus aller Welt.

Fazit

Das Bild vom „Spiel mit dem Feuer“ wird in letzter Zeit zunehmend im Zusammenhang mit den Krisen im Nahen Osten und Norden Afrikas verwendet und das mit vollem Recht. Auch wenn die USA mit Kampfflugzeugen Stellungen des IS bombardierten, die Maßnahmen erscheinen halbherzig und ein wenig wie das Bemühen eines Zündlers, das Feuer nicht völlig außer Kontrolle geraten zu lassen, es aber auch nicht vollständig löschen zu wollen. Das veröffentlichte DIA-Dokument stützt die naheligende These, dass der Westen zusammen mit Golfstaaten und der Türkei diese menschenverachtende Terroristenbrut genährt hat, weil sie im Proxy-Krieg gegen Iran, Russland und China nützlich war und ist. Israel wird in dem Bericht nicht erwähnt, obwohl seine Parteilichkeit sehr offensichtlich ist und es durch die Selbstzerfleischung arabischer Staaten ähnlich profitiert, wie Frankreich zu Zeiten Richelieus vom 30jährigen Krieg.

Die westliche Politik scheint die grausamen Abnutzungskriege nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern aktiv zu fördern. Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Diese Mittel heiligt kein Zweck! Richelieu, bleib bei den Toten!

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Veröffentlicht unter Allgemein, Außenpolitik, Geheimdienste, Terrorismus

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