Greenpeace: wir haben nicht gezockt!

Irgendwie bin ich Mitglied von Vereinen, die in diesem Jahr große Skandale verursachen, über die man zuerst aus den Medien erfährt und die einen dann gespannt auf das nächste Mitgliedsheft warten lassen.

So war es beim ADAC und nun bei Greenpeace. Die Entschuldigung vom ADAC fiel in der Motorwelt so mickrig aus, dass man eigentlich sofort hätte kündigen müssen, in meinem Fall siegte aber mal wieder die Trägheit der Masse. Aber vielleicht raffe ich mich noch dazu auf. Überrascht hat mich diese Mauschelei beim ADAC aber auch nicht wirklich. Wie ein so kommerzieller Dienstleister als Verein durchgehen kann, war mir schon immer ein Rätsel.

Greenpeace-Waehrungsgeschae

Einige Winkel-Grade höher hoben sich meine Augenbrauen um die Nasenwurzel, als ich davon las, Greenpeace hätte mehrere Millionen Spendengelder verzockt und zwar durch Währungskursspekulationen.

Wie sieht nun die Reaktion von Greenpeace Deutschland im letzten Mitgliedsheft auf diesen Skandal aus?

Analog zur ADAC-Motorwelt schafft es das „Mea Culpa“ auch hier nicht auf die Titelseite der „Greenpeace Nachrichten“, das wäre vielleicht auch zu viel verlangt. Aber immerhin gibt es eine ausführliche Erklärung von Brigitte Behrens, der Geschäftsführerin von Greenpeace e.V. und einen zusätzlichen Info-Kasten von Thomas Breuer, Diplom-Betriebswirt, Finanzanalyst und Leiter des Energiebereichs bei Greenpeace e.V., im Heft Nr. 03/2014.

Erst mal beginnt Frau Behrens mit dem Aufzählen wichtiger Erfolge und kommt dann zu der einen schlechten Nachricht, Greenpeace International (GPI) hätte einen Verlust erwirtschaftet.

Wir haben viele gute Nachrichten, nur diese eine schlechte.

Sie zählt zuerst die gemeinen Vorwürfe auf, mit denen sich Greenpeace konfrontiert sah, wie z.B. „Ihr seid Zocker, Spekulanten.“, um das mit einem Satz zu entkräften: „Denn mit Zockerei hatte der Verlust nichts zu tun.“

Wir haben uns nicht verzockt!

Was ist dann passiert? Frau Behrens verweist auf die globalisierten Geschäfte von Greenpeace International, fortan mit GPI abgekürzt.

Kampagnen in verschiedenen Ländern müssen in den jeweiligen Währungen bezahlt werden, Wechselkursschwankungen stören deshalb eine Planung des Haushalts. Sie rechnet vor: „Wenn man wie GPI in Amsterdam rund 60 Millionen Euro im Jahr für den Umweltschutz verteilt, machen dann selbst zwei Prozent Schwankungen beim Wechselkurs schon 1,2 Millionen Euro Unterschied aus.“

Global aktive Vereine haben nun mal ein Wechselkursrisiko.

Verständlich der folgende Punkt, dass GPI dieses Risiko absichern will: „Deswegen hat nun ein Kollege bei GPI in Amsterdam 2013 feste Wechselkurse gekauft, in guter Absicht.“

Herr Breuer erläutert etwas ausführlicher: „[Ein Mitarbeiter von GPI]… schloss mit einem Finanzinstitut einen Vertrag über feste Wechselkurse ab, einen so genannten „forward contract“. Dabei vereinbarte GPI, mit einem Finanzdienstleister, zu einem späteren Zeitpunkt Euro zum aktuellen Kurs in eine bestimmte Landeswährung umtauschen zu können. Die Absicht dahinter ist, kein Geld durch einen fallenden Euro zu verlieren. Diese Verträge sind ein gängiges Instrument internationaler Organisationen und Unternehmen.“

Ein „forward contract“, kurz Forward, ist ein außerbörslich gehandeltes Termingeschäft. Das Risiko des Kursverlustes wird auf das Finanzinstitut abgewälzt, gleichzeitig nimmt man sich aber auch die Chance, von Kursgewinnen zu profitieren.

Es ist gängige Praxis, sich gegen Wechselkursrisiken, durch einen „forward contract“ abzusichern.

Das Ausmaß dieser Geschäfte ist schon erstaunlich. Herr Breuer spricht von ca. 60 Millionen Euro „abgesicherter“ Währungsbeträge und das bei einem Jahresbudget von 79 Millionen Euro (2013, GPI). „Abgesichert“ kann in diesem Zusammenhang als Euphemismus gewertet werden, denn abgesichert heißt hier, dass man das Risiko eines Kursverlustes gegen das Risiko eines Kursgewinnes eintauscht. Die Münze fiel auf die falsche Seite: der Eurokurs stieg.

„Die eingetauschten Devisen waren am Stichtag deutlich weniger wert. Entsprechend mussten sie mit einem niedrigeren Wert bilanziert werden.“

Dumm gelaufen!

Weiterhin bemüht sich dann Frau Behrens dem deutschen Greenpeace-Förderer klar zu machen, dass mit seinem Geld nicht gezockt, äh, sorry, „Währungsabsicherungs-Geschäfte“ getätigt wurden.

Sie zählt dann als vertrauensbildende Maßnahme die Banken auf, bei denen Greenpeace Deutschland Tages- und Festgeldkonten angelegt hat.

Greenpeace Deutschland e.V. selbst mag also sauber sein, aber geben nicht die deutschen Büros Gelder an GPI in Amsterdam weiter?

Thomas Breuer: „Das Budget von GPI – im Jahr 2013 waren es 79 Millionen Euro – wird zum Teil durch Spenden, hauptsächlich aber durch die Beiträge schon länger bestehender Büros finanziert, die sich wiederum aus Spenden finanzieren.“

Zumindest indirekt wurden also doch auch mit Spendengeld diese Währungsabsicherungs-Geschäfte getätigt.

Fazit

Wie so viele andere Teilnehmer am Casino-Kapitalismus versuchte Greenpeace International (GPI) die Risiken eines „Global Players“ durch Spekulationsgeschäfte abzusichern. Das ging schief.

Ob man diese Spekulationen nun Zockerei nennt, oder wie Frau Behrens lieber „Währungsabsicherings-Geschäfte“, ist nicht so entscheidend, so lange GPI die Konsequenzen zieht und diese Art der Geschäfte künftig einfach sein lässt!

Danach sieht es aus.

Also erst mal Greenpeace halten, – aber ADAC? – vielleicht doch abstoßen?

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