Gib airbnb nun endlich deine Kontaktdaten!

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Falls jemand airbnb noch nicht kennt:

Airbnb ist ein 2008 im kalifornischen Silicon Valley gegründeter Community-Marktplatz für Buchung und Vermietung von Unterkünften, ähnlich einem Computerreservierungssystem. Private Vermieter vermieten ihr Zuhause oder einen Teil davon unter Vermittlung des Unternehmens, jedoch ohne dass Airbnb rechtliche Verpflichtungen übernimmt. (WIKIPEDIA)

Eine gute Idee dachte ich und schaute mich bei airbnb nach einer Unterkunft in einer großen amerikanischen Stadt um, die ich bald besuchen möchte. Ich wurde fündig und klickte auf „Buchung anfragen“. Da noch nicht Mitglied musste ich mich erst mal registrieren, hier wählte ich zunächst die Registrierung über Email.

Name, Vorname, Wohnort, Geburtsjahr – all das füllte ich noch brav aus. Dann die Telefonnummer, die bestätigt werden musste. Das Telefon klingelte, ein Automat aus dem fernen Kalifornien teilte mir eine Ziffernfolge mit, die ich auch noch brav eingab. Gut, irgendwie müssen sie mein Geld bekommen, also auch noch die Kreditkartendaten eingegeben.

All das reichte aber nicht, die Verifizierung stand noch aus. Zuerst wurde verlangt, die Vorder- und Rückseite eines Personalausweises abzufotografieren und hoch zu laden.

Krasse Sache, dachte ich da, aber gut, einen Fremden in der eigenen Wohnung übernachten zu lassen verlangt schon Sicherheiten. Also fotografiere ich noch brav meine Ausweispapiere und lade alles hoch. Das war allerdings erst Schritt 1 der Verifikation. Nächster Schritt: Verifizieren über Facebook oder den Email-Provider.

Hier zögere ich eine Weile und wähle dann widerwillig die Verifikation über den Email-Provider. Nachdem ich die Logindaten eingegeben habe, fragt man mich nett, welche Daten ich an airbnb übermitteln möchte, Identitiät, … und die Kontaktliste. Meine Kontakte wollt ihr auslesen? Abgelehnt!

Ohne Schritt 2 der Verifikation gibt es aber keine Buchung. Also dann halt Facebook. Ewig war ich schon nicht mehr auf Facebook und muss zunächst das Kennwort zurück setzen.

Nachdem mich Facebook als verlorenen Sohn freudig in seinen Fängen begrüßt hat, wechsle ich wieder zu airbnb, um endlich den zweiten Verifizierungsschritt zu schaffen. Diesmal also über Facebook. Doch ich bekomme eine Abfuhr:  „Sie haben zu wenig Aktivität auf Ihrem Account“.

Es bleibt nun nur noch eine Möglichkeit die zweite Hürde zu nehmen: die Verifizierung über ein Video. Also klicke ich auf den Link und suche nach der Möglichkeit eine Videodatei hoch zu laden. Diese Upload-Möglichkeit gibt es aber nicht. Meine mittlerweile müden Augen erkennen schließlich auf der Webseite, dass über ein eingebettetes Flash-Skript versucht wird, meine Webcam anzusteuern, damit mir Big-Brother direkt in die übernächtigte Fresse blicken kann. Da gibt es gleich zwei Probleme: erstens unterstützt mein Browser das Flash-Skript nicht und zweitens habe ich gar keine Webcam.

OK, es schon spät in der Nacht, aber ich will diese hübsche Übernachtungsmöglichkeit buchen. Probieren wir es doch über das Tablett, das hat eine eingebaute Kamera, dann mache ich halt das Selfie damit. Ich ziehe mir den Reißverschluss der Strickjacke hoch, denn darunter habe ich nur ein Unterhemd an, nicht dass mein Brusthaar die Kalifornier abschreckt und ich abgewiesen werde. Auf dem Tablett  starte ich den Webbrowser und öffne in airbnb mein Profil. Ein Klick auf Verifikation, nun soll es endlich vollbracht werden. Wieder wähle ich Verifikation über ein Video. Große Enttäuschung, kein Flash-Skript wird aktiv, die Kamera wird nicht angesteuert. Statt dessen ploppt ein Fenster auf: bitte die airbnb-App herunter laden und installieren!

Ich schaue mir misstrauisch die Berechtigungen an, welche die App von meinem Android-System will und tatsächlich, sie will erneut das Recht meine Kontaktdaten auszulesen.

Jetzt reicht es mir. Auch wenn ich auf einer Parkbank übernachten muss, alles mache ich nicht mit. Zornig suche ich nach einer Möglichkeit airbnb zu kontaktieren.

In den Geschäftsbedingungen finde ich schließlich einen Email-Link und schreibe:

Dear Sir, Dear Madam, 
 
I am quite surprised about your verification process. It is obvious, that it is not enough for you to verify my identity. 
 
First, I gave you my Creditcard-Information, then I uploaded photographies of my personal identity-card. Then I gave you access to my facebook-account, but there, obviously, you did not found enough contacts of friends. Social connections, this is what you are digging for. 
 
It is incredible, that in USA it is allowed to give away contact-informations of friends without their knowledge. 
Why do you need this informations? You know that a high court of the European Community canceled the safe harbor agreement. Personal data are not enough protected in your country! 
 
The video-thing is strange too. I have no webcam and It is not possible to upload a file from my phone. Annoying. 
 
Sorry, that is too much, but it was an interesting experience. Welcome to USA! 
Now I have to take a Hostel because I prefer to know with what I pay! 
 
With best regards

Eine Antwort kam nie, das hatte ich auch nicht erwartet und am nächsten Tag buchte ich ein Hotelzimmer.

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Zur Grafik: sie wurde mit NodeXL und Excel erstellt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Datenschutz, Gesellschaft, USA, Wirtschaft

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