Die Ischinger-Drohung

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In einer einzigen Woche kamen in München 40 000 Flüchtlinge an, die Tagesspitzen lagen bei über 12 000, also der Größenordnung einer Kleinstadt. Erstaunliche Dinge passierten in einem Land, in dem der Kontrollverlust zu den schlimmsten Albträumen gehört, die ein Deutscher haben kann. Bis ein sichtlich gestresster Thomas de Maizière an der Südgrenze Kontrollen anordnete und damit den Zustrom zumindest vorübergehend drosselte.

Sind wir auf einmal so humanitär geworden? Sind auf einmal alle Grenzen gefallen? Ein Land, in dem sogar Musiklehrer Sicherheitsbelehrungen durchführen müssen, riskiert die massenhafte Einreise von Menschen mit ungeklärter Identität?

Man reibt sich die Augen. Auch Albrecht Müller hatte bald den Verdacht, dass der Zweck der Übung vielleicht doch nicht so ganz alleine ♥ #refugeewelcome, humanitär war, sondern womöglich ganz andere politische Ziele damit noch verfolgt werden sollen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=27568

Mein Verdacht war von Anfang an, dass diese Flüchtlingswelle, bei deren Aktivierung die Türkei eine wichtige Rolle spielte, vor allem einem Zweck dienen soll: in Europa den politischen Boden für eine Flugverbotszone in Syrien und drum herum zu bereiten.

Ein Interview des Merkurs mit Wolfgang Ischinger, den man als Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz kennt, bestätigte diese Vermutung in einer Art und Weise, die schon fast plump ist:

Wir müssen imstande sein, mit den USA und anderen Nationen über mögliche Flugverbote in und um Syrien zu sprechen. Wer sich dazu nicht aufrafft, darf sich nicht wundern, wenn weitere hunderttausende oder Millionen Flüchtlinge bei uns landen.

Quelle: Merkur-Interview, Wolfgang Ischinger: „Bundeswehr in Syrien einsetzen“

Wenn das keine Drohung ist, was dann?

Nicht mal deutsche Bodentruppen schließt der gute Mann völlig aus, der auch als Diplomat bezeichnet wird, aber offensichtlich gerne möglichst schnell zur Ultima ratio, dem Militär greift. Ein höchst gefährlicher Diplomat, ein Kriegstreiber!

Er sollte sich mal in aller Ruhe dieses Interview von Amy Goodman (Democracy Now!) mit dem smarten General (a.D.) Wesley Clark anschauen, auch wenn es schon einige Jahre alt ist. Amy Goodman fragt ihn, Oberbefehlshaber im Jugoslawienkrieg, ob er die getöteten Zivilisten bereue, z.B. die Opfer einer Bombardierung eines serbischen Fernsehsenders. Das rechtfertigt er zunächst auf fragwürdige Weise und erzählt dann von sich aus diese andere Tragödie:

If you want to talk about tragedies, how about this one? We bombed what we thought was a Serb police station in Kosovo. We saw the Serb vehicles. We flew unmanned aerial vehicles over it. And we did everything we could to identify it. And we found that there were Serb police vehicles parked there at night, so we sent an F-16 in, dropped two 500-pound laser-guided bombs and took it out. We killed 80 Albanians who had been imprisoned by the Serbs there. They were trying to escape, and the Serbs locked them up in this farmhouse and surrounded them with vehicles. So, I regret every single innocent person who died, and I prayed every night that there wouldn’t be any innocent people who died. But this is why I say you must use force only as a last resort.

http://www.democracynow.org/2007/3/2/gen_wesley_clark_weighs_presidential_bid

Es gibt keinen sauberen Krieg! Wo waren die diplomatischen Bemühungen, die nun eine militärische Intervention der Bundeswehr rechtfertigen würden?

Und wo – verdammt – sind die Erfolge der „humanitären“ Interventionen der NATO? Kamen nicht viele Flüchtlinge aus dem befreiten Kosovo? Haben nicht gerade die USA „Middle East“ wie sie es nennen, so destabilisiert, dass diese Region Quelle vieler Flüchtlinge wurde?

Und warum, ihr Heuchler, interveniert ihr denn nicht, z.B., in Eritrea, auch das Nordkorea Afrikas genannt? Wesley Clark gibt die halbe Antwort: weil es dort kein Öl gibt. Siehe Youtube-Video weiter am Anfang. (Die andere Hälfte der Antwort hat mit Israel zu tun, da zieht es W. Clark vor, zu schweigen.)

Dass da immer noch jemand herein fällt, auf diese „humanitäre Interventionsnummer“, den guten Krieg. Grüne Politiker, ok. Bei vielen Wahlen habe ich für diese Partei meine Stimme abgegeben, da ich gedacht hatte, das Grün würde allein für Ökologie stehen. Aber es steht leider auch Militär und für den Mythos der humanitären Intervention und die naive Leichtgläubigkeit dieser Sonnenblumen.

Ach ja, warum ist eigentlich eine Flugverbotszone so wichtig, wo doch der Islamische Staat überhaupt nicht über eine Luftwaffe verfügt? Es geht also um Assad, das Fassbomben abwerfende Scheusal. Die fiese Fassbombe, noch so eine Heuchelei. Eine Fassbombe ist vor allem eines: primitiv. Da hat die NATO ganz andere Schweinereien.

Nicht nur in Jugoslawien warfen sie Streubomben ab (1400 Cluster bombs), W. Clark erwähnt sie und ihre tragischen Wirkungen selbst. Die Offenheit ehrt ihn. In Falludscha (Irak) setzten die USA radioaktive Munition in einer Stadt ein, die Wirkungen kann man z.B. hier bewundern: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/fotoreportage-ueber-zunahme-von-fehlbildungen-und-krebsfaelle-im-irak-a-874172.html

Man sollte die Fotos von den Missgebildeten auf Postkarten drucken und sie „Diplomaten“ wie Wolfgang Ischinger schicken und ihn fragen, ob es nicht Zeit wäre, im Pentagon humanitär-militärisch zu intervenieren. Das sollte bitte im Weißbuch 2016 beachtet werden, damit die Bundeswehr die passenden Waffensysteme beschafft. Sorry, ohne Sarkasmus kann man diese Verlogenheit nicht mehr ertragen!

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Quellennachweis für das bearbeitete Foto:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:F-14A_VF-84_Three_Loadouts_2.jpg

Veröffentlicht unter Allgemein, Außenpolitik, Deutschland, Gesellschaft, Nachdenkseiten, NATO, Syrien, Türkei, USA

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